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Reiss mich aus! Weg mit invasiven Neophyten


Mehr Platz für Biodiversität
Invasive Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, die sich in der Natur unkontrolliert ausbreiten. Sie verdrängen einheimische Arten, gefährden die Biodiversität und können zudem Gesundheitsschäden oder Probleme für Infrastruktur und Landwirtschaft verursachen. Deshalb ist klar: Sie müssen weg.

Was sind Neophyten – und warum sind sie problematisch?
Als Neophyten bezeichnet man Pflanzenarten, die nach 1500 (Entdeckung Amerikas) bei uns absichtlich oder unabsichtlich eingeführt wurden und sich ohne menschliche Hilfe in der Natur etablieren können. In der Schweiz gehören rund 750 der etwa 4'000 Wildpflanzenarten dazu.

Ein Teil davon – aktuell etwa 8 bis 12 % – gilt als invasiv. Diese Pflanzen breiten sich besonders schnell aus und verursachen Schäden. Sie verdrängen einheimische Pflanzen und damit auch Tiere, die sich von ihnen ernähren.

Weltweit zählen invasive Arten (Pflanzen und Tiere) zu den wichtigsten Ursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt.

Welche Schäden verursachen invasive Neophyten?

Je nach Art können sie unterschiedliche Probleme verursachen:

  • Gesundheitliche Risiken, z.B. Ambrosia (Pollenallergie), Riesenbärenklau (Hautverbrennungen)
  • Schäden an Bauwerken und Infrastruktur, z.B. durch den Japanischen Staudenknöterich
  • Wirtschaftliche Schäden, Verunkrautung von land- und forstwirtschaftlicher Flächen (z.B. Berufkraut, Erdmandelgras) oder Gift für Tiere (z.B. Schmalblättriges Greiskraut)
  • Probleme im Wald, dichte Bestände verhindern die natürliche Verjüngung (z. B. Kirschlorbeer oder Armenische Brombeere)


Warum ist frühes Handeln entscheidend?
Je früher du eingreifst, desto besser.

Sind invasive Pflanzen erst einmal grossflächig verbreitet, wird ihre Bekämpfung aufwendig und teuer. Durch frühzeitiges und konsequentes Handeln kannst du viel Aufwand vermeiden.

Eine vollständige Entfernung ist bei manchen Arten heute kaum noch möglich. Umso wichtiger ist es, ihre weitere Ausbreitung zu stoppen – besonders in empfindliche Lebensräume und Schutzgebiete.

Ein besonderes Augenmerk sollte dem schmalblättrigem Greiskraut geschenkt werden. Die Art breitet sich aus und ist erst seit einigen Jahren auf Düdingerboden anzutreffen. Sie breitet sich vor allem entlang der Autobahn und der Kantonsstrasse aus.

 

Das kannst du tun!


Invasive Neophyten erkennen
Informiere dich, wie du invasive Pflanzen erkennst:


Pflanzen bestimmen – mit der App
Die App Flora Incognita hilft dir beim Bestimmen von Pflanzen:

  • kostenlos herunterladen
  • Pflanze fotografieren
  • direkt erkennen, ob es sich um eine invasive Art handelt

Die App ist – wie jede KI – nicht zu 100 % zuverlässig. Im Zweifelsfall solltest du die Pflanze stehen lassen und dich bei einer Fachperson erkundigen. Denn es gibt einheimische, teils geschützte Arten, die in frühen Entwicklungsstadien Neophyten sehr ähnlich sehen können.

Invasive Pflanzen im Garten entfernen
Entferne invasive Neophyten aus deinem Garten, damit sie sich nicht weiter ausbreiten.

  • Kleine Bestände: meist gut selbst entfernbar
  • Ausreissen ist effizienter als mähen oder zurückschneiden
  • Wichtig: regelmässig kontrollieren und nacharbeiten
  • Grössere Bestände oder schwierige Arten (z.B. Knöterich):
    besonders sorgfältig vorgehen

Unsachgemässes Entfernen kann das Problem verschlimmern. Informiere dich deshalb vorab über geeignete Methoden.

Invasive Pflanzen sollen auch nicht mit Pflanzenschutzmitteln (Herbiziden) bekämpft werden. Laut Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (RS 814.81), Anhang 2.5 ist es verboten Pflanzenschutzmittel und Grundstoffe, die dazu bestimmt sind, unerwünschte Pflanzen oder Pflanzenteile zu vernichten oder auf ein unerwünschtes Pflanzenwachstum Einfluss zu nehmen, auf folgenden Flächen zu verwenden:

  1. auf Dächern und Terrassen;
  1. auf Lagerplätzen;
  2. auf und an Strassen, Wegen und Plätzen;
  3. auf Böschungen und Grünstreifen entlang von Strassen und Gleisanlagen

Detaillierte Anleitungen zur Bekämpfung invasiver Pflanzen findest du auf: InfoFlora.Externer Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

Entsorgung – richtig und wichtig!
Invasive Neophyten gehören:

  • nicht in den Gartenkompost
  • nicht ins Grüngut

Warum? Normale Kompostierung reicht nicht aus – Samen und Pflanzenteile können sich weiter verbreiten.

Richtige Entsorgung:

  • Kevag-Sammelstelle Warpelstrasse
    → kostenlose Abgabe (eigener Container)
  • alternativ:
    → im Hauskehricht entsorgen

Achte darauf, dass beim Transportieren kein Pflanzenmaterial verstreut wird.

Wenn du Pflanzen nicht entfernen kannst oder willst, musst du sie rechtzeitig zurückschneiden, um die Samenbildung zu verhindern. So kann die Ausbreitung konsequent eingedämmt werden.

Funde melden – mit der InvasivApp
Beim Spazierengehen entdeckst du immer wieder invasive Pflanzen. Wichtig: Bitte nicht einfach ausreissen! Ohne Fachwissen kann das kontraproduktiv sein.

Besser:

  1. Standort fotografieren
  2. über die InvasivApp melden

Die App ermöglicht:

  • einfache Erfassung
  • Kartendarstellung
  • Unterstützung bei der Bekämpfung

So hilfst du aktiv mit, die Ausbreitung einzudämmen.

Aktion: #zämesammle: Gemeinsam gegen invasive Neophyten
Hast du Lust, die Natur zu schützen und die lokale Landwirtschaft zu unterstützen? Dann mach mit bei #zämesammle!

#zämesammle ist eine Plattform, die Flächenbewirtschafterinnen und -bewirtschafter mit freiwilligen Helferinnen und Helfern zusammenbringt.

Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, Gebiete von invasiven Neophyten zu befreien.

Melde dich heute an und setze dich ein für eine vielfältige Natur.

Zusammen machen wir einen Unterschied!

Link: #zämesammleExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

Gesetzliche Grundlagen
Die Freisetzungsverordnung regelt den Umgang mit invasiven Pflanzen:

  • Anhang 2.1: vollständiges Verbot (nur Bekämpfung erlaubt)
  • Anhang 2.2: Verkauf und Weitergabe verboten

Seit 1. September 2024 dürfen verschieden Pflanzen nicht mehr verkauft werden wie: z.B. Kirschlorbeer, Sommerflieder, Chinesische Hanfpalme

Wichtig für dich:

  • Keine Pflicht zur Entfernung im eigenen Garten
  • aber: Sorgfaltspflicht

Das bedeutet: Du musst sicherstellen, dass sich die Pflanzen nicht weiter ausbreiten und keine Schäden verursachen, also keine Samen bilden.


Setze auf einheimische Pflanzen!
Mit einheimischen Pflanzen machst du deinen Garten lebendig und förderst die Biodiversität vor deiner Haustür:

  • Von den Beeren des schwarzen Holunders ernähren sich über 60 einheimische Vogelarten, von den Beeren des Kirschlorbeers nur 3 Arten.
  • Der Weissdorn ist Nahrungsquelle für Raupen und Falter von mehr als 100 Schmetterlingsarten. Die Robinie dagegen ist für Schmetterling bedeutungslos.
  • Die Schwarze Mörtelbienen ernährt sich nur vom Pollen der Esparsette, die Natterkopf-Mauerbiene nur vom Pollen des Natterkopfes und die Efeu-Seidenbiene nur von Pollen des Efeus, usw.
  • Über 200 Wildbienenarten sind in der Schweiz auf einzelne einheimische Pflanzenarten oder Pflanzenfamilien spezialisiert. Werden die Arten oder Familie von Neophyten verdrängt, verschwinden die Wildbienen.
     

Ideen für deinen Garten:

  • einheimische Stauden, Sträucher und Bäume pflanzen*
  • Blumenwiese oder Blumenrasen statt Kurzrasen anlegen
  • Nicht die ganze Fläche auf einmal mähen und Krautsäume auch über Winter stehen lassen
  • Stein-, Ast- oder Laubhaufen und Sandlinsen schaffen
  • Trockenmauern anlegen

Tipp: Frage gezielt nach einheimischen Arten – Zuchtformen sind oft weniger wertvoll für Tiere.

*Die drei goldenen Regeln für die Auswahl einer Mischung für die Anlage einer Blumenwiese

  1. Sich nach der Zusammensetzung der Mischung erkunden: Einige Anbieter weigern sich, diese Information bekanntzugeben. Solche Mischungen sollten vermieden werden, da sie in der Regel Neophyten enthalten.
  2. Überprüfen, ob die enthaltenen Arten einheimisch und für Blumenwiesen typisch sind.
  3. Die Herkunft des Saatgutes überprüfen: Idealerweise Saatgut aus lokaler Herkunft wählen, ansonsten zumindest aus der Schweiz.

Ein naturnaher Garten darf gleichzeitig schön und vielfältig sein.

Inspiration:

Dokumente

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230601 Flyer einjähriges Berufkraut (PDF, 1.83 MB) Download 0 230601 Flyer einjähriges Berufkraut
241204 Merkblatt einheimische Arten (PDF, 158 kB) Download 1 241204 Merkblatt einheimische Arten
250319 Merkblatt Blumenwiese (PDF, 96 kB) Download 2 250319 Merkblatt Blumenwiese
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220516 Flyer Neophyten (PDF, 366 kB) Download 4 220516 Flyer Neophyten